#5 Tübingen – Göttingen

Die süddeutsche Studentenstadt Tübingen empfing uns mit Sonnenschein. Zusammen mit der Horst Müller Experience hatten wir uns hier die Tangente als Spielort erwählt. Gleich nach Ankunft schwirrte unsere mobile PR-Einheit – bestehend aus Sänger Art Hustle und Tourorganist Simon Senator – aus, um in der historischen Fußgängerzone der Innenstadt Flyer an junge StudentInnen zu verteilen und ihnen damit nahezulegen, ihre ersten Seminare am frühen Donnerstag für einen Abend Rock ’n’ Roll zu opfern.

Die Tangente war schließlich üppig gefüllt. Die vielen Fenster gaben den Lärm nahezu ungefiltert auf die Straße herunter. Wir spielten ein verkürztes Set und hinterließen der Horst Müller Experience heiße Bretter. Als heimlicher Hit scheint sich langsam unser fabrikneuer und erst für die Tour ins Programm gehobene Song „Good Lies“ herauszuschälen. Ein Logenplatz wird ihm auf unserem kommenden Album sicher sein.

Diesmal hatten wir noch lange Gelegenheit, mit unserem Publikum zu trinken und zu philosophieren. Eine uns gewogene Zuhörerin wagte die kühne These, wir seien eine Symbiose aus The Kinks und The Talking Heads. Ein in Süddeutschland wohnhafter Indianer fragte uns, ob wir denn „spirituell-revolutionäre Musik“ machen würden, er hätte für diesen Fall Großes mit uns vor. Wir mussten verneinen und verblieben in der kosmischen Unterwelt. In der es dann bald auch kein Bier mehr gab.

#4 Kassel – Tübingen: Hold Tight

Dienstag, 05.05.2009
IMGP2918Die längste Tourdistanz lag hinter uns. 750 Km von Bühne zu Bühne und kein Psychologe an Bord. Jeder, der einmal am Musikregler die Kontrolle erringen konnte, quälte die anderen Passagiere mit den entlegensten Neigungen seiner Audiothek. Zwischendurch zerstreute man sich mit einem Car Crash Trash-Movie, das auf eindringliche Weise an die Befolgung der Verkehrsvorschriften gemahnte. Darüber ließ der Film wissen, dass jeder, der einmal einen Song von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mich and Ttch hört, nur noch Sekunden von seinem letzten Autounfall entfernt ist.

Das K19 – erste Adresse für Live-Musik in Kassel, auf dem Campus-Gelände, einem stillgelegten Industrie-Komplex aus dem späten 19 Jahrhundert – wartete mit der bislang größten Bühne und deutscher Bratwurst auf uns. Nach spätem Soundcheck, es war bereits halb 10 abends, ManU führte schon 2:0 in London, fand sich ein Knäuel von etwas mehr als 20 Zuschauern zwischen Bar und Bühne ein. The Dots, vom edelsten Arbeitsethos erfüllt, handelten nach der Maxime: wenn mehr Leute vor als auf der Bühne stehen, läuft die Show.
Nach dem Konzert begab sich die Audienz gutgelaunt zu unserem Merchandising-Stand, plauderte mit uns und ließ sich – ja, das gibt es noch – CDs signieren. Zufrieden begaben wir uns ins nächtliche Lager, ins nahe Göttingen, unserem donnerstäglichen Tourstopp. Vorher müssen wir nur noch nach Tübingen.

Unser Dank geht auch an Christine und Robert vom Freien Radio Kassel, die uns organisatorisch unterstützten und denen Dr. Valentine nach dem Konzert noch ein paar Fragen ins Mikrofon beantwortete. Hoffentlich bald zu hören – samt eines Konzertmitschnitts – in der Sendung Musiktaxi.

#3 Paris – Kassel

Montag, 04.05.2009
Die Dots kehren zurück aus Paris – gezeichnet von frankophiler Feierlaune. Katerfrühstück vor Verdun:
DSC01856Nach dem eher überstürzten Aufbruch aus den Niederlanden und einigen kostspieligen Zwischenstopps an französischen Mautstationen und Tankstellen empfing uns die Stadt an der Seine im versöhnlichen Sonnenschein. Wir ließen die Gelegenheit nicht ungenutzt und verbrachten den spielfreien Sonntag ganz im Zeichen des savoir vivre – nicht von ungefähr kennt man schließlich die Redensart „Leben wie die Dots in Frankreich.“

Während ihres zweitägigen Aufenthalts in der französischen Metropole konnten sich die Dots als kosmopolitische Truppe nicht zuletzt auf ihre mannigfaltigen Kontakte zu Einheimischen und Exilanten verlassen, so dass es letztlich niemanden Wunder nahm, als sich der ebenso schlichte wie vielbespielte Konzertsaal des charismatischen „Pop-In“ zur Showtime am späten Montag abend gut gefüllt präsentierte. Die etwas beengten Dimensionen der Bühne hinderten uns selbstverständlich nicht daran, eine druckvolle Performance darzubieten, die von den anspornenden Gesten des Publikums weiter befeuert wurde. Dass dabei die EU-Richtlinien zulässiger Dezibel-Werte nicht immer eingehalten werden konnten, stieß bei den anwesenden Konzertbesuchern allerdings auf mehr Verständnis als bei den Anwohnern. Trotzdem sind wir guten Mutes, dass diese Stippvisite nicht unser letztes Gastspiel jenseits des Rheines sein wird. Doch zunächst nutzen wir die Fahrt nach Kassel, um aus Zahnstochern und Flamingo-Aufklebern weitere Fähnchen für die bandeigene Deutschlandkarte zu basteln.

#2 Leeuwarden – Paris: Unterkunft-Lotterie

Sonntag, 03.05.
Die erste Bühne wartete in Leeuwarden, einer charmanten holländischen Küstenstadt mit britischem Kneipenflair. Mittendrin: der Club De Gloppe, ein industrieller Backsteinbau in einer schmalen Seitengasse, tapfer dem Verfall trotzend. Hier gibt man den dreckigen Rock ‘n’ Roll, die Scherben vom Vortag sind einfach in die Ecke gekehrt, die Treppe zum Saal hinauf noch klebrig vom verschütetten Bier. Ein Schild neben der Bühne kündet dem gelassen auf den Frühtod hinleben Genussmenschen Frohes: Smoking Area.

Von der Clubseite erhielten wir bald die Warnung: Leeuwarden wache erst spät in der Nacht auf. Und so kam es. 15 Frühstarter harrten zunächst dem Konzert entgegen. Nach Mitternacht füllte sich der Saal, so dass sich erst im letzten Drittel des Sets ein gediegenes Rudel vor der Bühne bilden konnte, dass sich schließlich zum gemeinsamen Tanzen verständigte und mit Nachdruck die Zugaben einforderte. Ein sehr reizender Abend.

Ein spannender Teil der Tour – das mussten wir sogleich lernen – verspricht die Unterkunft-Lotterie zu werden. Im besten Fall kennt man Freunde oder Bekannte in der jeweiligen Stadt. Diesmal besorgte uns Rudy, der sympathische Booker des Clubs, zu später Nachtstunde die so ersehnte Schlafgelegenheit. Ein heruntergekommenes Atelier mit drei Couches im Vorraum. Der Couchtisch mit Chips, Zigarettenstummeln, leeren Bierdosen und verschmierten Kochtöpfen vollgestellt. Im Keller ein Gartenschlauch über eine Wanne gehängt, wohl als Dusche gedacht. Schließlich, wir hatten uns gerade gebettet, kamen die Bewohner dieser – nennen wir es individuellen – Behausung heim, leuchteten uns zum Gruß mit der Taschenlampe ins Gesicht und ließen – wieder zurück ins Leeuwardener Nachtleben kehrend – ihre Hunde da, die es sich zwischen uns bequem machten, und dem ein oder anderen liebevoll das Gesicht leckten. Am nächsten Morgen brachen wir sehr früh und sehr schnell nach Paris auf.

#1 Die Glücksritter der Zwölftonleiter

Samstag, 02.05.
Das Dots-Tourtagebuch ist eröffnet. Dank den Segnungen der modernen Kommunikationstechnologie werden wir nun täglich von den Begebnissen auf unserer Odyssee berichten. Von Zyklopen, Circen und Sirenen.

Soeben haben wir die holländisch-deutsche Grenze überquert und nähern uns dem ersten Tourstopp hinter den Deichen: Leeuwarden. Die Witze sind noch frisch, die Hemden gebügelt und das Bier schmeckt noch. Wir werden Euch über den fortschreitenden Verfallsprozess auf dem Laufenden halten.
Schöne Grüße Eure Dots