Dr. Valentine
Mo.Okt.2009
Der Sommer hat sich auf die Postkarten zurückgezogen und wir kehren in die Clubs zurück. Vier Konzerte innerhalb von sechs Tagen, das lässt sich mit ein wenig Unverschämtheit Mini-Tour nennen.
08.10.09, Semesterstart der Mediziner, Dresden. Wir operieren am offenen Herzen (wir geben mal wieder: If you don’t love me). Der Aftershow-DJ ist dann auf Lobotomie spezialisiert.
09.10.09, Heine-Stadt Düsseldorf. You never can tell:
“Das Glück ist eine leichte Dirne/
Und weilt nicht gern am selben Ort;/
Sie streicht das Haar dir von der Stirne,/
Und küsst dich rasch und flattert fort.”
Nur der Tonmann war Zeuge. Immerhin: Simon Senator an der Orgel – fürs Wochenende aus London eingeflogen.
10.10.09, White Trash, Berlin-Mitte. Hier gibt es Burger zu Live-Musik, man spricht englisch, volles Haus; das Publikum – halb Berliner, halb Touristen. Auch die Laufkundschaft blieb zum Tanzen vor der Bühne.
14.10.09, Klub Neue Mensa, Dresden. Wir bewillkommen eine neue Generation Studenten symbolisch und tauschen ein Abi 2009 T-Shirt gegen ein Dots-Shirt.
Dr. Valentine
Fr.Sep.2009
Es gibt viele Dinge, die falsch gemacht werden können, wenn man eine Band für ein Gruppenfoto vor die Kamera stellt. Mal ist es die falsche Band, mal der falsche Hintergrund und nicht selten die falsche Person am Auslöser. Hat man wie wir eine gute Fotografin und die für die Gattung Rockmusik überlebensnotwendige Überzeugung, in der richtigen Band zu spielen, stellt sich schließlich nur noch die Frage nach dem geeigneten Dress-Code für das dafür geeignete Ambiente. Wir wurden schließlich in Berlin Wedding fündig. Ein stillgelegtes Schwimmbad, 200 pinke Luftballons und fünf ebenso pinke Krawatten ergänzten den Inhalt unserer Kleiderschränke. Wir lassen den geneigten Leser nun mit seinem Assoziationstrieb allein. Die Bilder folgen bald.
Bilder: Sabine Schwarz
thedots
Fr.Sep.2009

The Transparency Dots
Der Künstler ist ein störrisches Wesen. Den Turm, den er einmal erklommen und in dem er es sich behaglich gemacht hat, den verlässt er so schnell nicht wieder. Aber die Dots lernen nicht aus, sagten wir uns und trafen uns mit unseren Volkswagen Sound Foundation Paten Polarkreis 18, sinnigerweise in der Gläsernen Manufaktur Dresden, zu einem Erfahrungsaustausch, wobei wir auf Input steckten. In gediegener Lounge-Atmosphäre versuchten wir, Geheimnisse der Hit-Alchemie zu lüften oder fachsimpelten über das Wachhalten der Do-It-Yourself-Philosophie bei zunehmender Professionalisierung. Schließlich ließen wir vor prominenter Audienz noch drei unserer Songs in das weite Foyer der Gläsernen Manufaktur hallen, diesmal in einem Akustik-Set. Sänger Art Hustle dazu trocken: “transparenter Sound in transparenter Atmossphäre”. Dieser trug sich dann bis zu den Förderbändern – und auch da: alles handgefertigt.

Wir möchten explizit noch einmal Polarkreis 18 und der Sound Foundation danken, dass sie dieses Treffen möglich gemacht haben.
Bilder: Sabine Brauer Photos für Volkswagen
Dr. Valentine
So.Aug.2009
Ein Festival-Wochenende stand auf dem Plan. Unser Tross der singenden Wandergesellen machte diesmal Station bei Jena und in Wolfsburg; vollgeladen mit frivolen Heine-Gedichten, trickreichen Bierkühlsystemen, einer Best Of Roxette-CD und dem hauseigenen Tourorganisten Simon Senator.
Seit 11 Jahren gibt es bei Jena (genauer: in Auerstedt) das kleine aber umtriebige Auerworld-Festival. Mitzubringen: Zelt, Schlafsack, Hygienebeutel. Eintritt frei.
Wir durften das Festival eröffnen. Der Kontrast Natur-Großstadt hätte nicht größer sein können, dennoch kam, bei einsetzender Dämmerung, unter der Kuppel des eindrucksvollen Weidenrutenpalasts richtige Club-Atmosphäre auf. Die Bühne schwappte über, das Publikum nahm tanzend an. Danach der ewige Konzert-Epilog: wer erreicht die beste Spätform an der (Zelt-)Bar? Kenner der Band wissen Bescheid. Tiefnachts, die letzten Bongo-Spieler schleppten schon im Takt, begab man sich schließlich ins Zeltlager.
Der Morgen ist das Schlimmste am Campen. Die Exzesse der Nacht werden hier doppelt bestraft. Es ist zu hell, zu heiß und der Weg zur mobilen Dixi-Einheit ist zu weit. Schon bald brachen wir nach Wolfsburg auf. Anstanden die Sound Foundation Music Festival Days. Zusammen mit The Wedges und Yeah But Now!. Letztere Band unterbrach spontan ihre Show und machte die Bühne frei für Frank, der seiner Monika nach 18 Jahren mit einem Heiratsantrag aufwartete. Die sagte Ja. Wir waren gerührt, aber: Don‘t try this at our stage, kids!
Die Bühne war groß, Sänger Art Hustle zeigte Sportsgeist und nutzte den sich bietenden Raum. Und da Bewegung immer Reaktion provoziert, tat es ihm das Publikum gleich. Wir mögen es, Euch tanzen zu sehen! Als Dr. Valentine zum Finale „Alright Now“ ins Publikum grantelte, wogte die vor der Bühne versammelte Masse im Country-Takt.
Die Nacht endete auf einem Parkplatz: drei Bands, ein paar Freunde und eine Akustik-Gitarre. Lagerfeuerromantik auf Teer und unter Laternen. Der Geist des Auerworld schien über die Maschinenstadt Wolfsburg zu kommen. Eine gelungene Pointe des Wochenendes.
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Dr. Valentine
Mi.Jun.2009
No Summer In The City. It’s Been a long time: nach drei Jahren Abstinenz betraten wir wieder eine Bühne der Bunten Republik Neustadt. Der Sendeplatz exklusiv. Die Plakate der Groove Station kündeten: Open Air: The Dots, Freitagabend, Aluna Bühne. Der Himmel hatte zuvor noch seine Schleusen geöffnet und die Fläche vor der Bühne von Zuschauern freigespült. Die Lotterie des Freiluftkonzerts. Doch pünktlich zum Konzertbeginn um 21.15 strömte man wieder an den Rand der Bühne, das Wetter war gnädig, wir nutzten die Gunst. Die geforderte Zugabe allerdings mussten wir ausschlagen: Festivalregeln. Statt uns nun aber für den Rest des Wochenendes an den üblichen BRN-Ritualen zu beteiligen - Parkbankschlafen, Bierdusche, Toilettenfrau-Prellen, Gruppe zusammenhalten - begaben wir uns schon bald wieder in unsere Nachtlager, denn bereits am nächsten Morgen ging es mit dem Volkswagen Sound Foundation Tourbus nach Wolfsburg.Im Allerpark Wolfsburg, wo auch die Arena des amtierenden Deutschen Fußballmeisters zu finden ist, blieb uns allerdings die Gunst des Himmels verwehrt. Das Wetter leistete sich unschickliche Launen und Stimmungen, ein paar unentwegte Gäste fanden dennoch hin und wieder den Weg zur Bühne, um sich aber bald wieder bei Tee und Kuchen zu wärmen. Dem trotzen musste zunächst die Witz und Charme versprühende Hip Hop Band RockRainer aus Freiburg. Unsere Füße und Mundwinkel zuckten. Grooviger Trash und kokette Attitüde. Wir empfehlen. Schließlich durften auch wir beweisen, was es heißt, vom Ethos des Showbusiness ganz erfüllt zu sein und spielten gegen die rauen Winde des Wolfsburger Allersees an. Dabei hatten wir zum ersten Mal unsere Flamingo-Buttons im Merchandising-Koffer vorrätig. Vögel des Sommers. Nun, ein paar davon verließen, an Mützen und Jacken geheftet, dann doch den Polarkreis Wolfsburg.
thedots
Do.Mai.2009
Schonungslose, zensierte und manipulierte Fotos von unserer The Other Way Down Tour 2009
Dr. Valentine
Mo.Mai.2009
Dresden, 10.05.2009, 12:03. 5000 Km unter den Reifen. Sieben Konzerte in acht Tagen. Über Holland waren wir nach Paris gefahren, von da durch Westdeutschland in den Norden, schließlich bis an die polnische Grenze nach Görlitz. The Other Way Down Tour 2009 – nun sind wir endlich unten angelangt: Sonntag mittag spuckte der treue Tourbus die Bandmitglieder einzeln vor ihren jeweiligen Dresdner Behausungen aus. Dem Wagen entstieg das, was man als den Rest der Band nach einer reichlichen Woche Tour bezeichnen kann. Scharfe Furchen und dunkle Schatten zeichneten die Gesichter. Der Gang schleppend und die Sonnenbrille tiefgerückt – jedoch waren sich alle einig: das machen wir wieder.
Am Abend zuvor aber spielten wir zunächst noch unsere letzte Show in der idyllisch an der Neiße gelegenen Vierradenmühle / Noteingang, Görlitz. Das Handy-Display zeigte bereits eine mobile Funkfrequenz aus Polen an. Also auch: vier Länder in acht Tagen.
Das komplette Live-Set wurde an diesem Abend noch einmal abgeklopft: zu finalen Ehren kamen die frühen Garage-Kracher C’mon Babe und Judith You Did It: einst Herzdamen, bald geschmäht, bald wieder geliebt und nach einer letzten leidenschaftlichen Nacht schließlich freigegeben. Neue Songs buhlen bereits um unsere Gunst und die des Publikums. Wir gaben alle Zugaben, die Kiezhymne Alright Now beschloss die Tour sinngemäß. Da sich die Afterparty in der Vierradenmühle schon bald nach dem Konzert dem Ende zuneigte, fanden wir uns noch spät in einer nahen Kneipe zu Bier, Kräuterbaguette und deutschem Schlager zusammen: Vögel der Nacht.
Als wir Sonntags gegen elf Uhr in Richtung Dresden aufbrachen, leerten wir die Aschenbecher, grüßten müde die Teilnehmer des gerade stattfindenden deutsch-polnischen Görlitz-Marathons, fuhren zur nächsten Tankstelle, kauften uns Radeberger und stießen auf die nächste Tour an. Death Proof.
Das muss hier auch erwähnt werden: unsere stolzen Wappentiere – die Flamingos – innerhalb der Band sehr gegensätzlich diskutiert, erregten große Aufmerksamkeit und fanden viel Beifall auf der Tour. Sie werden uns und Euch wohl noch eine Weile verfolgen. Watch out!
Wir danken all unseren Zuhörern!
Bis zum nächsten Mal
THE DOTS
Dr. Valentine
Sa.Mai.2009
Die Routenplanung vollbrachte das Kunststück, uns nach einer Woche zum Ausgangspunkt der Tour zurückzubringen. Beinahe zumindest. Die beschauliche Nordseestadt Emden liegt keine 100 Km östlich von Leeuwarden, wo wir letzten Samstag den ersten Akkord angeschlagen hatten. Das sympathische Café Grusewsky war bereits letztes Jahr Spielort der Dots. Die Atmosphäre ist entspannt, das Bier heißt Jever und der tresenmüde Musiker muss zum Schlafen nur über eine Treppe in die Ruheräume oberhalb der Bar. Erholung vom harten Touralltag – schließlich galt es, am nächsten Morgen früh aufzustehen, um kapitale 700 Km zum letzten Auftritt in Görlitz zurückzulegen.
Neben der treuen Stammkundschaft fanden sich auch einige jüngere Menschen ein, die Band gab die Gemütslage vor: helle Akkorde, helle Hemden, helle Gesichter.
Aber kurz nach Mitternacht, unser Auftritt war gerade vorbei, fielen die Untoten ein. Heavy Metal Afterparty. Da Menschen, die solche Musik hören, ihre abwegige Neigung gern in der Provinz ausleben und in Emden gerade ein Festival der harten Musik stattfand, versammelte sich der lokale Weltschmerz zum Ausklang im Grusewsky. Spielte die Jukebox eben noch Kings Of Leon, polterte sie im nächsten Moment Rammstein. Statt uns mit Kreuzen, Keilen und Knoblauch zu wappnen, ergriffen wir die Flucht, begaben uns die Treppe hinauf zum Schlafquartier, stopften uns Schaumgummi in die Ohren, während die dunkle Zunft bis zum Sonnenaufgang ihre Messe abhielt.
Dr. Valentine
Fr.Mai.2009
Sieben Jahre ist es her, dass sich ein junger Student aus Göttingen bei der Dresdner Garage-Band namens The Chookers vorstellig machte. Bekannt als C. Moe Blitzschutz, Bassist auch des Nachfolgers The Dots. Damals wie heute schon dabei: Dr. Valentine, letzter Neubundesländer der tourenden Band. Jeder Ostelbische, der seitdem die Band verließ, wurde durch einen Zugereisten aus den alten Bundesländern ersetzt. Bei unserem Auftritt in Göttingen hatten wir aus diesem Grund ein Heimspiel: neben dem bereits Erwähnten standen noch die Göttinger Sprösse Art Hustle und Simon Senator im traditionsreichen Nörgelbuff auf der Bühne. Zuvor stimmte die Singer/ Songwriterin Jana Balenthien das Publikum ein. Der Saal war mit 80 Besuchern schließlich stattlich gefüllt, man präsentierte sich tourgestählt, in bester Spiellaune. Immerhin hatte auch Werder Bremen gewonnen. Die Stimmung stieg stetig, am Ende wurden sämtliche Zugaben eingefordert.
Zeugnis streng antrainierter Kondition war der gesammelte Umzug nach dem Konzert ins Dèjá Vu, der finalen Kneipe in Göttingen, einer dieser sympathischen Nachtasyle, in denen man der Morgendämmerung entgegentrotzt, die Sonnenbrille im Jacket – man braucht sie noch für den Heimweg. Simply the best. An diesen Orten trifft man gescheiterte Dichter, zähe Grübler und ewige Junggesellen. Nun, und hin und wieder einen Dot.
Dr. Valentine
Do.Mai.2009
Die süddeutsche Studentenstadt Tübingen empfing uns mit Sonnenschein. Zusammen mit der Horst Müller Experience hatten wir uns hier die Tangente als Spielort erwählt. Gleich nach Ankunft schwirrte unsere mobile PR-Einheit – bestehend aus Sänger Art Hustle und Tourorganist Simon Senator – aus, um in der historischen Fußgängerzone der Innenstadt Flyer an junge StudentInnen zu verteilen und ihnen damit nahezulegen, ihre ersten Seminare am frühen Donnerstag für einen Abend Rock ’n’ Roll zu opfern.
Die Tangente war schließlich üppig gefüllt. Die vielen Fenster gaben den Lärm nahezu ungefiltert auf die Straße herunter. Wir spielten ein verkürztes Set und hinterließen der Horst Müller Experience heiße Bretter. Als heimlicher Hit scheint sich langsam unser fabrikneuer und erst für die Tour ins Programm gehobene Song „Good Lies“ herauszuschälen. Ein Logenplatz wird ihm auf unserem kommenden Album sicher sein.
Diesmal hatten wir noch lange Gelegenheit, mit unserem Publikum zu trinken und zu philosophieren. Eine uns gewogene Zuhörerin wagte die kühne These, wir seien eine Symbiose aus The Kinks und The Talking Heads. Ein in Süddeutschland wohnhafter Indianer fragte uns, ob wir denn „spirituell-revolutionäre Musik“ machen würden, er hätte für diesen Fall Großes mit uns vor. Wir mussten verneinen und verblieben in der kosmischen Unterwelt. In der es dann bald auch kein Bier mehr gab.
Dr. Valentine
Mi.Mai.2009
Dienstag, 05.05.2009
Die längste Tourdistanz lag hinter uns. 750 Km von Bühne zu Bühne und kein Psychologe an Bord. Jeder, der einmal am Musikregler die Kontrolle erringen konnte, quälte die anderen Passagiere mit den entlegensten Neigungen seiner Audiothek. Zwischendurch zerstreute man sich mit einem Car Crash Trash-Movie, das auf eindringliche Weise an die Befolgung der Verkehrsvorschriften gemahnte. Darüber ließ der Film wissen, dass jeder, der einmal einen Song von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mich and Ttch hört, nur noch Sekunden von seinem letzten Autounfall entfernt ist.
Das K19 – erste Adresse für Live-Musik in Kassel, auf dem Campus-Gelände, einem stillgelegten Industrie-Komplex aus dem späten 19 Jahrhundert – wartete mit der bislang größten Bühne und deutscher Bratwurst auf uns. Nach spätem Soundcheck, es war bereits halb 10 abends, ManU führte schon 2:0 in London, fand sich ein Knäuel von etwas mehr als 20 Zuschauern zwischen Bar und Bühne ein. The Dots, vom edelsten Arbeitsethos erfüllt, handelten nach der Maxime: wenn mehr Leute vor als auf der Bühne stehen, läuft die Show.
Nach dem Konzert begab sich die Audienz gutgelaunt zu unserem Merchandising-Stand, plauderte mit uns und ließ sich – ja, das gibt es noch – CDs signieren. Zufrieden begaben wir uns ins nächtliche Lager, ins nahe Göttingen, unserem donnerstäglichen Tourstopp. Vorher müssen wir nur noch nach Tübingen.
Unser Dank geht auch an Christine und Robert vom Freien Radio Kassel, die uns organisatorisch unterstützten und denen Dr. Valentine nach dem Konzert noch ein paar Fragen ins Mikrofon beantwortete. Hoffentlich bald zu hören – samt eines Konzertmitschnitts – in der Sendung Musiktaxi.
nils
Di.Mai.2009
Montag, 04.05.2009
Die Dots kehren zurück aus Paris – gezeichnet von frankophiler Feierlaune. Katerfrühstück vor Verdun:
Nach dem eher überstürzten Aufbruch aus den Niederlanden und einigen kostspieligen Zwischenstopps an französischen Mautstationen und Tankstellen empfing uns die Stadt an der Seine im versöhnlichen Sonnenschein. Wir ließen die Gelegenheit nicht ungenutzt und verbrachten den spielfreien Sonntag ganz im Zeichen des savoir vivre – nicht von ungefähr kennt man schließlich die Redensart „Leben wie die Dots in Frankreich.“
Während ihres zweitägigen Aufenthalts in der französischen Metropole konnten sich die Dots als kosmopolitische Truppe nicht zuletzt auf ihre mannigfaltigen Kontakte zu Einheimischen und Exilanten verlassen, so dass es letztlich niemanden Wunder nahm, als sich der ebenso schlichte wie vielbespielte Konzertsaal des charismatischen „Pop-In“ zur Showtime am späten Montag abend gut gefüllt präsentierte.
Die etwas beengten Dimensionen der Bühne hinderten uns selbstverständlich nicht daran, eine druckvolle Performance darzubieten, die von den anspornenden Gesten des Publikums weiter befeuert wurde. Dass dabei die EU-Richtlinien zulässiger Dezibel-Werte nicht immer eingehalten werden konnten, stieß bei den anwesenden Konzertbesuchern allerdings auf mehr Verständnis als bei den Anwohnern. Trotzdem sind wir guten Mutes, dass diese Stippvisite nicht unser letztes Gastspiel jenseits des Rheines sein wird. Doch zunächst nutzen wir die Fahrt nach Kassel, um aus Zahnstochern und Flamingo-Aufklebern weitere Fähnchen für die bandeigene Deutschlandkarte zu basteln. 
Dr. Valentine
Mo.Mai.2009
Sonntag, 03.05.
Die erste Bühne wartete in Leeuwarden, einer charmanten holländischen Küstenstadt mit britischem Kneipenflair. Mittendrin: der Club De Gloppe, ein industrieller Backsteinbau in einer schmalen Seitengasse, tapfer dem Verfall trotzend. Hier gibt man den dreckigen Rock ‘n’ Roll, die Scherben vom Vortag sind einfach in die Ecke gekehrt, die Treppe zum Saal hinauf noch klebrig vom verschütetten Bier. Ein Schild neben der Bühne kündet dem gelassen auf den Frühtod hinleben Genussmenschen Frohes: Smoking Area.
Von der Clubseite erhielten wir bald die Warnung: Leeuwarden wache erst spät in der Nacht auf. Und so kam es. 15 Frühstarter harrten zunächst dem Konzert entgegen. Nach Mitternacht füllte sich der Saal, so dass sich erst im letzten Drittel des Sets ein gediegenes Rudel vor der Bühne bilden konnte, dass sich schließlich zum gemeinsamen Tanzen verständigte und mit Nachdruck die Zugaben einforderte. Ein sehr reizender Abend.
Ein spannender Teil der Tour – das mussten wir sogleich lernen – verspricht die Unterkunft-Lotterie zu werden. Im besten Fall kennt man Freunde oder Bekannte in der jeweiligen Stadt. Diesmal besorgte uns Rudy, der sympathische Booker des Clubs, zu später Nachtstunde die so ersehnte Schlafgelegenheit. Ein heruntergekommenes Atelier mit drei Couches im Vorraum. Der Couchtisch mit Chips, Zigarettenstummeln, leeren Bierdosen und verschmierten Kochtöpfen vollgestellt. Im Keller ein Gartenschlauch über eine Wanne gehängt, wohl als Dusche gedacht. Schließlich, wir hatten uns gerade gebettet, kamen die Bewohner dieser – nennen wir es individuellen – Behausung heim, leuchteten uns zum Gruß mit der Taschenlampe ins Gesicht und ließen – wieder zurück ins Leeuwardener Nachtleben kehrend – ihre Hunde da, die es sich zwischen uns bequem machten, und dem ein oder anderen liebevoll das Gesicht leckten. Am nächsten Morgen brachen wir sehr früh und sehr schnell nach Paris auf.
thedots
Sa.Mai.2009
Samstag, 02.05.
Das Dots-Tourtagebuch ist eröffnet. Dank den Segnungen der modernen Kommunikationstechnologie werden wir nun täglich von den Begebnissen auf unserer Odyssee berichten. Von Zyklopen, Circen und Sirenen.
Soeben haben wir die holländisch-deutsche Grenze überquert und nähern uns dem ersten Tourstopp hinter den Deichen: Leeuwarden. Die Witze sind noch frisch, die Hemden gebügelt und das Bier schmeckt noch. Wir werden Euch über den fortschreitenden Verfallsprozess auf dem Laufenden halten.
Schöne Grüße Eure Dots
thedots
Do.Apr.2009

Die Proben für die anstehende Tour der Dots gehen in die finale Phase. Wir möchten die Gelegenheit einer kurzen Atempause nutzen, Euch mit einem jungen Mann von vielerlei Talenten bekannt zu machen: Simon Senator (Foto) wird unseren angestammten Mann an den Tasten – MKO Swillus – für den Zeitraum der Tour an der Orgel ersetzen. Wir lesen bei – räusper – Wikipedia: “Der Begriff oder der Titel des Organisten ist in Deutschland nicht geschützt, so dass sich jeder grundsätzlich Organist nennen darf.” Wir meinen, dass Simon den richtigen Weg gewählt hat zu beweisen, dass er wahrlich einer ist. Weiter lesen wir: “Die entsprechende Ausbildung wird meistens kostenlos von den Kirchen angeboten, da zumindest an nebenamtlichen Organisten ein großer Bedarf besteht.” Nun, wir sind bisweilen päpstlicher als der Papst – willkommen bei den Tempelrittern des Rock ‘n’ Roll, Mr. Senator. Bekehre die Ungläubigen!