Tracklisting
DIE SONGFOLGE auf “Next Time We Shall Have It All Our Own Way”
THE DOTS veröffentlichen ihren zweiten Longplayer
Die Aufzeichnung eines Albums erfolgt scheinbar nach den Gesetzmäßigkeiten des Chaos, also nach keinen. Vier bis fünf Personen (hier: Musiker) mit verschiedenen Schlaf-, Arbeits- und Trinkgewohnheiten müssen sich zunächst darauf verständigen, zu welchen Zeiten sie sich an einem bestimmten Ort (hier: Studio) zum Zwecke der Ausübung einer gemeinsamen Tätigkeit (hier: Songs einspielen) einfinden wollen.
Nachdem wir uns darauf und danach in langen, auszehrenden Kämpfen auf ein Dutzend Songs geeinigt hatten, begann der Recording-Prozess. “Lass uns mal mit dem am wenigsten komplexen Stück anfangen, um warm zu werden” – dieser Satz zählt – wie wir inzwischen wissen – zu den verhängnisvollen Klassikern musikalischer Berufstragik. Merke: das am wenigsten komplexe Stück – und schon gar nicht jenes, das man dafür hält – ist nie das einfachste. Und also nicht das, welches am zügigsten den Weg in den Kasten findet. Obwohl unser Zeitplan also von vornherein wie Captain Hook durchs Super Mario Land hinkte, hatten wir durch ein paar Extraschichten – auf die sich vier bis fünf Personen mit verschiedenen Schlaf-, Arbeits- und Trinkgewohnheiten zu verständigen hatten – die Basisstruktur aller Songs nach ungefähr 14 Tagen live und direkt auf Band. Nun folgten nur noch Monate des Dazu-Addierens und wieder Hinweg-Nehmens mehr oder weniger exotischer Instrumente und von Geräuschen nicht mehr nachweisbaren Ursprungs.
Produzent und Toningenieur Moritz befand sich jetzt im Besitz eines nahezu unüberschaubaren Datenfilzes, den es in wochenlangen Nachtschichten zu entfitzen und zu ordnen galt. Endlich blieb der Stein auf dem Gipfel liegen und Sisiphus öffnete sich eine Dose Bier. Demnach können wir die folgende Songfolge bekannt geben:
1. Again Too Late (4:15)
2. Good Lies (3:52)
3. Fashion For The Naked (2:46)
4. Never Gonna Break My Heart (4:53)
5. Pretty Right (1:58)
6. I Can’t Stand Affection (3:07)
7. Happy Slave (4:11)
8. Been A Time (2:47)
9. Maria (3:50)
10. Changing Minds After Midnight (4:38)
11. Bite (3:58)
12. Next Time (1:51)














Der altehrwürdige Dreikönigskeller liegt trotzig zu Füßen der Frankfurter Skyline, wenngleich man sich nur schwer vorstellen kann, dass die Börse hier ausschweifende Afterworkparties feiert. Über eine enge Treppe gelangt man in ein schmales Tonnengewölbe, das klaustrophobischen Naturen nicht zu empfehlen ist. Neben der Bühne steht ein Elvis-Schrein, in dem andächtig Grablichter flackern. Im Hinterzimmer patroulliert ein Dobermann. Auf den ersten Blick kein Lokal, dass man als letzter verlassen möchte. Keine Rockband sollte es sich also nehmen lassen, hier aufzuspielen. Jack, bis 2008 Sänger bei uns, kündete sich als VIP-Gast an, da er den nächsten Tag von Frankfurt über Dubai nach Neuseeland fliegen wollte. Der Umsatz an der Bar war gesichert. Der Whiskey rann. Wir wünschen ihm schon deswegen einen guten Flug.
Auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt dampften die Glühweinkessel. Art Hustle, der bei seiner Kleidung in der kalten Jahreszeit zum Pragmatismus neigt, trug eine schmucklose Multifunktionsjacke. Als wir uns im Gespräch mit einigen Besuchern des Weihnachtsmarktes als Band zu erkennen gaben, wurde er nicht als Sänger ausgemacht. Wir ließen dies offen und luden ins nahe Nörgelbuff, wo wir zwei Stunden später spielen sollten. Ohne Multifunktionsjacke war die Frage schnell beantwortet, die Raupe entpuppt, der Überraschungseffekt ganz auf unserer Seite. Die Schmähungen, die er noch vor dem Konzert über sich ergehen lassen musste, verkehrten sich nun in artige Komplimente. Dennoch kramte er am nächsten Tag aus der Truhe seines Vaters einen KGB-Wintermantel, präsentierte sich so der Band und fügte lakonisch hinzu: “wenn das nicht Indie ist!”.

