Es gibt Platten, die Bestimmungsorte sind, Platten, die vertraute Linien aufnehmen aber dennoch nach vorn weisen. Die jüngst veröffentlichte EP der dresdner Band The Dots, “Fake Modern Love Songs”, steht in eben diesem Spannungsfeld. Da ist zum einen wieder der typische Dots-Sound: treibende Rhythmen, berückende Pop-Momente und hinreißende Refrains. Doch gibt es inzwischen komplexere Songstrukturen als noch auf ihrem Debüt-Album Fashion For The Dressed And Naked (2007) zu entdecken. Man hat sich mehr Zeit genommen, hieß doch die alte Devise, dass in 2 1/2 Minuten alles gesagt sein sollte, auch ist das Moll-Akkord-Tabu längst gefallen. Die fünf Songs des neuen Tonträgers bilden somit einen spannenden aktuellen Werk-Querschnitt der Band. Vielfältig, ohne beliebig zu wirken. “It Doesnt Matter” eröffnet mit sattem Groove und glänzt mit swingendem Piano im Finale. “Devil Into Pope” brandet über wuchtige Riffs, “Been A Time” ist fast schon Punk und “Maria” wiederum melodieverliebter Folk-Rock. Im Herzen der Platte findet sich mit Simple Thing gar ein bedrohlich pulsendes Drama, das Clint Eastwood zum finalen Duell begleiten könnte.
Doch man begegnet dem Unausweichlichen mit Gelassenheit. Wie ein Schleier liegen die kühlen Schwarz-Weiß-Töne des Film Noir über den inneren Gluten. Lakonisch wird kommentiert, wenn man verliert, was man nie besaß. Wenn man feststellt, dass Zweifel und Glaube zwei Seiten einer falsch geprägten Münze sind. Dass eine Tragödie Reinheit und Schönheit besitzt, auch wenn sie in der schäbigsten Bar am dunklen Ende einer Straße endet. Dass zwei Wege sich trennen, nicht, weil die Wahrheit verraten wurde, sondern das Lügen an Sorgfalt einbüßte. Aber überall schwingt die Gewissheit mit, dass der Schwung des Niedergangs über die Talsohle hinausträgt. Die beste aller Welten? Sicher nicht, aber dem Untergang bleibt weiterhin nichts abzugewinnen
The Dots debütieren. Auf ihrem Erstlingswerk “Fashion For The Dressed And Naked” zeigt sich die dresdner Band musikhistorisch informiert. Ihre Wurzeln wissen sie in den Sixties. Die breite aber mit festem Griff gezügelte Stilmixtur offenbart Rhythm and Blues-geladenen Teen Rock, überdreht-kontrollierten Punk, Candypop und schon einmal lässigen Country. The Dots leisten sich keine Launen – sie kommen nicht auf Umwegen daher. Die Hookline trifft mit unausweichlicher Direktheit und in 2 1/2 Minuten ist meist alles gesagt. Sie kokettieren gern mit einem seltsam altmodischen Chic. Stil und Form sind ihnen wichtig – very british for Krauts. Die Welt der Dots besteht aus Verlust, Verlangen und Verrat, handelt also immer von Frauen, aber eben nie von Verzweiflung. Blinder Optimismus? Far from it! Wenn man spielen muß, dann soll man spielen wollen: Hegel steht wieder Kopf: das Bewusstsein bestimme das Sein. The Boys Are Alright.