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Kurzer Abriss der Rockgeschichte

We Don’t Like To Lie But We Like Good Lies

Künstler reden nicht gern über ihre Arbeiten. Sie können leicht in die quälendste Verlegenheit gesetzt werden, fragt man sie nur nach der Aussage eines bestimmten Songs aus ihrer Feder. Soll doch jeder daraus entnehmen, was er mag. Diese Einstellung hat zugleich noch den Vorteil der Bequemlichkeit. Wir aber wollen uns quälen. Reden wir also über Inhalte:

Der Rock ‘n’ Roll muss faszinierend sein. Schließlich wird er trotz (oder gerade wegen?) seines ruchhaften Wesens verehrt. Ständig verbreitet er Suchtstoffe, die locken, aber die man sich dennoch nicht in die eigenen vier Wände holen will. Der Rock ‘n’ Roll ist ein Freudenhaus, in das man hin und wieder geht, aber in der Nachbarschaft will man es nicht haben. Die Gegenbewegung hat es nicht weniger schwer, hin und wieder bleibt ihr das Wort zum Sonntag. Die Moral ist eben auch nur ein Hobby, dass sich manche zum Beruf machen, aber die meisten können davon nicht leben. Die Amoralität, woraus der Musiker seine Stoffe bezieht – die Mütter wissen, wovor sie ihre Töchter warnen – ist ebenfalls kein einträgliches Geschäft, ausgerechnet für den Musiker nicht. Dennoch sind einige Schelme damit durchgekommen.

Worum also geht es? Die einfachste und vielleicht beste Antwort lieferte der Dialektiker Elvis: “l’m left, you’re right, she’s gone”. Endlos ist die Nahrungskette der menschlichen Beziehungen. Nach “I Can’t Get No Satisfaction” war das Thema dann eigentlich schon durch. Lou Reed machte noch die Junkies salonfähig, die sich aber mit dem Aufkommen des Punks doch besser gleich selbst vermarkten wollten. Die Achtziger bestanden dann nur noch aus Ästhetik wohingegen die Leistung der Neunziger darin zu bestehen schien, so zu tun, als hätte es die Achtziger nicht gegeben. Den Nuller-Jahren endlich war das Recycling des Vorangegangenen vorbehalten. Die Hauptbemühung sollte jedoch darin bestehen, das Alte als das Neue zu verkaufen. Die Genre-Bezeichnungen schossen wie Kraut aus dem Boden. “What ever happened to my Rock ‘n’ Roll?” fragte man sich besorgt aber still und leise, denn man wollte doch nicht als gestrig gelten. “Was ist also übrig vom Rock ‘n’ Roll, liebe Dots?” – “We Don’t Like To Lie But We Like Good Lies” – so beantworten wir die Frage, auf die es keine richtige Antwort gibt. Pretty right.

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