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#4 Tourtagebuch: Schade, Deutschland, alles ist vorbei!

p1000858Der 5. Mai ist holländischer Nationalfeiertag. Gefeiert wird die Befreiung des Landes von der deutschen Besatzungsmacht durch die alliierten Streitkräfte im 2. Weltkrieg. Und so hielt man es für eine gute Idee, eine deutsche Band spielen zu lassen. Der Club De Gloppe in Leeuwarden war bereits im vergangenen Jahr auf unserer Route und man hatte uns in guter Erinnerung behalten. Die heruntergekommene Junkie-Höhle, in der wir letztes Jahr nach dem Konzert eine Nacht des Schreckens verbracht hatten, präsentierte sich beim Vorbeifahren nun als modernes Start-Up-Büro mit blankpolierter Glasfassade. Diesmal sollten wir im Club bleiben.

Ganz Leeuwarden schien unterwegs. Wie bei jedem anderen Feiertag, dem sein ursprünglicher Sinn abhanden gekommen ist, traf man immer wieder auf stark alkoholiserte Personen in der Fußgängerzone. Dazu grollte eine Armee-Parade mit Uncle Sams Oldtimern vorbei. Wir bangten um unseren Volkswagen Tourbus.

Noch nie spielten wir so spät am Abend. In der Gloppe fangen die Bands eben nicht an, bevor die letzten da sind, sondern kurz bevor die ersten gehen wollen. Wir spielten um 1 Uhr. Die erwähnten Betrunkenen hatten sich inzwischen vermehrt und so spritzte das Bier in der ersten Reihe. Mikrofon-Übernahme-Versuche und naßforsche Übergriffe auf unser Equipment mussten unterbunden werden.

Die Holländer scheinen ein sentimentales Völkchen zu sein. Unsere neuen CD’s verschmähten sie, aber die inzwischen schon stark in Anspruch genommene pinke Krawatte Art Hustles war Gegenstand mehrerer harter Verhandlungen. Letztes Jahr noch wollte man unserem Drummmer Nils gar die Affenmaske abkaufen, die er damals noch beim finalen Song “Get The Monkeys Out Of Town” zu tragen pflegte.

Zwei deutsche Sätze kann ein jeder Holländer mit Sicherheit hersagen: den Fußball-Hohngesang “Schade Deutschland, alles ist vorbei!”, was immer wieder gern und oft an unsere Adresse ging und: “mein Fahrrad zurück!” – populär geworden im Zusammenhang mit jenen deutschen Soldaten, die 1945 vor den alliierten Truppen flüchteten und sich im ungeordneten Rückzug befanden. Zwecks schnellerer Hasenfußtaktik klemmten sie sich holländische Drahtesel unter den Hintern und strampelten davon.

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