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# 2 Tourtagebuch: Jailhouse Dots

p1000553Vier Meter hohe Stacheldrahtzäune umgaben uns, nachdem wir mehrere Sicherheits-Schleusen passiert hatten, die ins innere der Justizvollzugsanstalt Zeithain führten. Hier sollte also unser nächstes Konzert stattfinden und so schienen wir in die Fußstapfen Johnny Cashs zu treten, dessen legendärer Auftritt im Folsom Prison einen gewissen Outlaw-Mythos begründet hatte. Aber die Zeile „I shot a man in Reno, just to watch him die“, die so viele immer wieder zu beeindrucken scheint, wollte hier nicht so recht einleuchten. Die 30-40 Häftlinge, die sich im kleinen Konzertraum einfanden, hatten echte Gründe, weswegen sie hier waren. Der Sänger der Vorband – die den selbstironischen Namen The Smiley Outlaws trug und in welcher sämtlich Einsitzende die Instrumente bedienten – kündete z.B. die dargebotenen Cover-Songs als geklaut an, er sitze schließlich auch wegen Diebstahls ein. Im Set befanden sich Ostrock-Klassiker wie „Nie zuvor“ von Electra, Dr. Valentine erkannte es natürlich sofort und musste sich dafür vor seinen Bandkollegen umgehend wegen seiner Jugendsünden verantworten. Unglücklicherweise leide The Smiley Outlaws an permanentem Mitgliederschwund, wie wir erfahren mussten. Der zweite Gitarrist war verhindert, er hatte seine Zeit abgesessen. Der Keyboarder soll als nächster dran glauben müssen. Eins steht fest: The Dots wird niemand lebend verlassen.
Nie gab es wohl ein Dots-Konzert ohne weibliches Publikum in der ersten Reihe und ohne Alkohol. Zum Tanzen bekamen wir die harten Jungs nicht, aber ohne Zugabe wollten sie uns auch nicht gehen lassen. Art Hustle schonte sich nicht und bekam zur Belohnung ein JVA Zeithain-Handtuch zum Abtrocknen, welches uns von nun an auf der Tour begleiten wird. Unsere Versuche, im Gegenzug Dots-CD’s in den Wirtschaftskreislauf der Anstalt einfließen zu lassen, scheiterten aber am aufmerksamen Wachpersonal. CD’s sind gefährlich, Dots-CD’s insbesondere.
Wir werden natürlich darüber berichten, wenn das hauseigene Blatt, die Zeithainer Zensierte Zeitung, ihren Artikel über unseren Auftritt veröffentlicht hat. Bei unserem nächsten Zuchthaus-Rock wird zumindest das Publikum ein vollkommen anderes sein. Da spielen wir nämlich im Frauenvollzug Chemnitz.

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