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DNN vom 19.02.09: “Fieberanfall einmal anders – The Dots rocken morgen in der Groove Station”


“Als man noch vor etwa zwei Jahren ein Konzert der Dresdner Band The Dots aufsuchte, hatte man unter Umständen den Eindruck, die Pretty Things seien in schnittiger Blues-Brothers-Verkleidung zurückgekehrt, um mit juvenilem Kopfstand die feine Ironie alter britischer Pop-Etikette zu neuem Leben zu erwecken. Die wüste Rockorgel auf ihrem damals aktuellen Debüt-Album „Fashion For The Dressed And The Naked“ überschlug sich jedenfalls wie Agentencabrios in den 60ern und so fuhr man schon dazumal als unfassbar schmissige und gute Supportband die bedeutungsschwangere Style-Show so mancher dick auftragender Hauptacts ordnungsgemäß gegen die Wand. Gewundert hätte es einen freilich schon, wenn diese handwerklich so beleckte und vor allem stilsichere Kapelle am ewigen Party-Alleinstellungsmerkmal kleben geblieben wäre. Aber dem ist ja nicht so, wie man morgen Abend in der Groove Station wohl feststellen können wird. Denn The Dots treten die Tür des nun nicht mehr ganz neuen Jahres mit einer neuen Platte, einer pressfrischen 5-Song-EP namens „Fake Modern Love Songs“ ein, die es in sich hat. Und zwar derart, dass die alte Spielfreude, die deftige Energie und – zumindest gefühlt – auch das gut gepfefferte Augenzwinkern bleibt, während die Band einen satten Schritt nach vorn wagt. Jon Lister (Gesang), Nils Antiknock (Schlagzeug, Percussion), C. Moe Blitzschutz (Bass, Gesang), Dr.Valentine (Gitarre, Gesang), MKO Swillus (Orgel) und Art Hustle (Orgel, Piano, Gesang, Percussion) – schon die Namen versprechen erneut gute Unterhaltung – reißen sich mit neuen Songs wie „It doesn’t matter“ oder „Devil into Pope“ keineswegs die eigenen Wurzeln aus, aber finden für ihre pfiffigen Retro-Anleihen mit sicherem Gespür einen direkten Weg in zeitgemäße Popgewänder. Das verlangt ein leichtes Mehr an Komplexität in der Struktur eines Songs und ein gut gewähltes Weniger an Rumgealber, dazu ein Löffelchen Moll-Klang, ohne gleich die wilde Rock-Sau zu Melancholie-Gulasch zu verarbeiten. Wer auch immer an der Klangchemie gebastelt hat – herzlichen Glückwunsch: der entschleunigtste Dots-Song überhaupt – „Simple thing“ – ist zugleich der bemerkenswerteste der neuen EP. Ein filmreifer, schwarzgefärbter Fieberanfall, der mit einem garstig-schweren Mick-Harvey- Bass davon erzählt, alles in einer Minute verloren zu haben. Von den Dots wird wohl noch einiges zu erwarten sein. Was sich letzthin auch die Talente-Scouts der VW Sound Foundation überlegt haben müssen und die Band in ihr heißbegehrtes Förderprogramm aufnahmen, einschließlich einer Patenschaft von Seiten der Überflieger Polarkreis 18. Da die klug-geerdeten Rabauken The Dots aber vermutlich lieber ihren Bandnamen in den Schnee pinkeln als über die Farbe selbigen Niederschlags zu sinnieren, darf man auf die kreativen Synergien jener Patenschaft schon sehr gespannt sein. Norbert Seidel
Mit freundlicher Genehmigung der DNN

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