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Fünf Punkte für Rock

Von Simon Köppl

Die Dresdner Kapelle The Dots schwört auf Garagenrock der sechziger Jahre und veröffentlicht ihr erstes Album.

Ortstermin im Proberaum von The Dots. Ein ehemaliges Fabrikgebäude im Dresdner Industriegelände. Unsaniert mit den „schlechtesten Toiletten Dresdens“ ausgestattet, wie Sänger Jack Dot glaubhaft versichert. Immer noch 100 Euro im Monat lässt sich die Stadt ihre unsanierten, kalten Proberäume kosten, Strom extra. Aber hier geht es nicht um die Verpackung, sondern um den Inhalt. Sofas und schummriges Licht sorgen für Behaglichkeit. In obligatorischer Unordnung aus leeren Bierflaschen, Kisten und einem altem Fernseher stehen Schlagzeug, Bass und Gitarrenverstärker, sowie eine Korg-Rockorgel aus den Siebzigern. Von Kleidung keine Spur.

Für Nackte und Bekleidete

Dabei heißt das Debütalbum „Fashion for the dressed and naked“ (Kleidung für Angezogene und Nackte), das morgen auf der Record-Release-Party in der Dresdner Scheune vorgestellt wird.

Was da als neu präsentiert wird, hat durchaus klangliche Tradition. Auch wenn The Dots nicht in einer Garage proben, huldigen sie dem guten alten Garagenrock der sechziger Jahre. „Ich höre selber sehr viel Musik aus der Richtung. Da kommt mir beim Hören die eine oder andere Idee und ich greife zur Gitarre“, erklärt der musikalische Kopf der Band, Gitarrist und Komponist „Dr. Valentine“, der eigentlich Martin heißt. Schlichte, aber eingängige Gitarrenriffs, ein stampfender Vierviertel-Takt und besagte Rockorgel bescheren eine Zeitreise.

Bleibt bei so viel Retro noch Platz für Eigenes? Martin überlegt kurz, aber Tastenmeister Mirko alias „MKO Swillus“ weiß Antwort: „Wir benutzen auch typische Pop-Elemente, die es damals noch nicht gab.“ Denn schließlich würden The Dots nicht nur Musik für Kenner und Liebhaber, also die Angezogenen aus dem Albumtitel machen. Sondern auch musikalisch Nackte sollen begeistert werden. Die Band hat sich über Anzeigen kennengelernt, Philipp „Phil Flade“ meldete sich, als eine „Schlagzeugsau“ gesucht wurde. Bassist Moe, besser bekannt als „C. Blitzschutz“, wurde über einen Whiskey im Blue Note geködert.

In der fünfköpfigen Band, alle Mitte zwanzig, sind die Mitglieder darauf bedacht, ihr Privatleben strikt von der Musik zu trennen. Gitarrist Martin hat zwar gerade sein Germanistikstudium abgeschlossen, aber „die Texte stehen im Dienst der Musik.“ Also keine lyrischen Ergüsse, sondern eher typisch Zwischenmenschliches.

Musikalisch sind alle fünf Autodidakten an ihren Instrumenten. Dazu kommt meist eine langjährige Klavierausbildung, doch nur für Mirko als Rockorganisten brachte der Unterricht etwas. Aber auch er schmiss schnell das Handtuch.

„Is it true Baby, is it true?“ heißt es im Lied „Is it you“. Ja, es stimmt wirklich: Die Aufnahmen zur EP „Introducing The Dots“ und zum Album entstanden in Eigenregie im heimischen Aufnahmestudio. Bassist Moe hätte sich fast als Tontechniker ausbilden lassen und hat gute Arbeit abgeliefert.

Erfolg auch ohne GEMA

Das Ergebnis wurde unter der „Creative Common License“ veröffentlicht. Damit dürfen die Lieder frei im Netz runtergeladen und verteilt werden. „Das hat ideologische, aber auch Marketing-Gründe“, gesteht Moe. Die GEMA, die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kassiert sogar von Künstlern, wenn diese ihre eigenen Stücke ins Netz stellen. Ein Grund, der Institution fernzubleiben. So wird die Musik wenigstens weiter verbreitet. Ein französisches Filmprojekt nutzt sogar ein Lied für einen Kurzfilm.

Im Proberaum fängt unterdessen der Ölradiator an zu brennen. Ach, kein Problem, lass mal lieber weiter proben. Rock‘n‘Roll eben, für Wärme sorgen The Dots selber. Im Proberaum und auf der Bühne.

Wollen sie damit noch hoch hinaus? „Wir sind nicht die ambitionierteste Band. Aber wir nehmen alles mit, was geht.“

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